Friday, June 5th, 2009 7:23 PM

2 Neuerscheinungen von und mit Samuel Blaser

Jazz Podium
Hans-Jürgen von Osterhausen
June 2009



Welches Erlebnis ist es immer wieder, noch sehr junge Musiker, die viel mehr als nur viel Talent haben, etwas von der Genialität großer Musik schon im zarten Alter von weniger als 30 Jahren zeigen, auf der Bühne und dann auch auf CD dokumentiert zu erleben.
Samuel Blaser, knapp 28jähriger Posaunist aus der Französischen Schweiz, genauer gesagt La Chaux-de-Fonds ist einer von diesen. Nach sehr frühem Studium hat er sich auf den Weg begeben, Preise und Stipendien zu gewinnen, die ihn längere Zeit nach New York gebracht haben und nun auch für ein paar Monate nach Berlin.
Man wundert sich dann überhaupt nicht, dass er in kurzer Zeit hintereinander zwei ziemlich aufregende CDs auf den Markt bringt.
Bei YaY hat er sich mit dem Freund und Wahlschweizer, dem Pianisten Malcolm Braff zusammengetan, der vielleicht schon etwas länger Publikum, Kritiker und Veranstalter aufregt, im positiven Sinn natürlich. Es ist vom ersten Ton an Musik, die in ihrer melodischen, rhythmischen, improvisatorischen Klarheit und Perfektion mehr als begeistert. Paradiesisches gemeinsames Nachdenken über die Schönheiten der Improvisierten Musik kann man das auch nennen, wenn die beiden Freunde sich bemühen, immer noch schöner und virtuoser als der andere zu spielen. Aber es ist ein Miteinander, nicht etwa ein Gegeneinander. Gerne bemühen sie immer wieder die amerikanische Vergangenheit des Jazz, der sie sowieso bekannter Weise sehr verbunden sind. Mit „Uncle Sam" zitieren sie die Anfänge in Blues und Gospel, beschäftigen sich eingehend mit Ellingtons „Caravan", um gleich danach Serge Gainsbourgs „Manon" als eine Art geheimes Lieblingslied auf die Bühne zu bringen. Nach acht herrlichen Titeln verabschieden sie sich mit einem kurzen gemeinsam komponierten „un petit dernier", um dann als Zugabe eine Live-Aufnahme des Titelstücks „Yay" zu zelebrieren.

Und dann traut sich Samuel Blaser mit den besagten knapp 28 Jahren, eine erste Soloaufnahme, „Solo Bone" vorzulegen. Albert Mangelsdorff hat erheblich länger gebraucht, um dies zu tun. Und übereilt ist es auf keinen Fall, wie man auch hier wieder vom ersten Ton an feststellen kann.
Live aufgenommen im Konservatorium seines Heimatortes, hört man an vielen Stellen Zitate, Erinnerungen, Verehrung für Mangelsdorff, der ihm unbekannterweise vieles gezeigt und gelehrt hat, wie im Begleittext auch sein Lehrer John Fedchock zu berichten weiß, selbst Schüler von Mangelsdorff zu einer Zeit; als Samuel Blaser noch gar nicht auf der Welt war.
Schwierige harmonische Konstruktionen baut er auf, zum Beispiel mit „noho 1", erinnert sehr klar an die Meisterschaft Mangelsdorffs, so die ihm mehr oder weniger gewidmeten Titel „Solo Bone" und „Mood Indigo". Und auf perfekte Weise ist er sich der Einsamkeit des Solo-Posaune-Bläsers bewusst, wie man gleich bei drei Titeln erleben kann, „Lonely Blues", noch sehr gegenständlich, dann aber „Solitude" und „Finally Alone" mit einer außerordentlich zufrieden erscheinenden Selbstständigkeit und virtuosem Einfallsreichtum. In einer Kritik wurde darauf verwiesen, dass Samuel Blaser auf dem Weg zu den ganz Großen dieser Musik ist. Dem ist nichts hinzuzufügen.